Datenskandal Postbank:Postbank hält Zusage nicht ein

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Lohnt sich ein Termin? Die Postbank liess die Berater vor der Kontaktaufnahme die Kontoauszüge der Kunden studieren (Foto: Postbank)
Lohnt sich ein Termin? Die Postbank liess die Berater vor der Kontaktaufnahme die Kontoauszüge der Kunden studieren (Foto: Postbank)

Freie Handelsvertreter haben weiter Zugriff auf Girokontodaten von Millionen Postbank-Kunden. Bereits am Dienstag hatte Postbank-Sprecher Joachim Strunk erklärt, dass die Datenbanken dicht seien.

Kundendaten weiter einsehbar

Die Postbank hat ihre Zusicherung, den Zugriff auf die Girokontodaten von Millionen Postbankkunden zu sperren, nicht gehalten. Finanztest konnte über Mitarbeiter der Postbank Finanzberatung am Donnerstagabend problemlos Girokonten von Postbankkunden einsehen. In den überprüften Fällen waren sämtliche Kontobewegungen der letzten 100 Tage sowie die Gelder auf allen Anlagekonten sichtbar.

Alle Transaktionen der letzten 100 Tage sind sichtbar, wenn der Postbank-Verkäufer mal nachsehen möchte, was der zu überzeugende Kunde denn finanziell so drauf hat. Bei eingehenden größeren Geldbeträgen gibt es gar einen Hinweis: ran da! (Foto: Postbank)
Alle Transaktionen der letzten 100 Tage sind sichtbar, wenn der Postbank-Verkäufer mal nachsehen möchte, was der zu überzeugende Kunde denn finanziell so drauf hat. Bei eingehenden größeren Geldbeträgen gibt es gar einen Hinweis: ran da! (Foto: Postbank)

Postbank hält Versprechen nicht ein

Noch am Dienstag hatte der Sprecher der Postbank, Joachim Strunk, behauptet, dass die freien Handelsvertreter des Postbankvertriebs keinen bundesweiten Zugriff auf Girokontodaten haben. Dies sei höchstens regional der Fall. Bis zur Klärung der datenschutzrechtlichen Vorwürfe habe die Postbank den Zugang zu Datenbanken für die freien Handelsvertreter am Mittwochmorgen um 7.19 Uhr gesperrt.

Süddeutscher Vermittler sieht Berliner Daten ein

Tatsächlich konnte aber am Donnerstag ein süddeutscher Handelsvertreter sämtliche Überweisungen und Abhebungen und das Gehalt auch von Berliner Postbank-Kunden einsehen. Das ist nach Ansicht von Datenschutzbeauftragten auch dann rechtswidrig, wenn Kunden eine Einwilligungsklausel zur Weitergabe ihrer Daten unterschrieben haben. Das hat etwa die Hälfte der Postbank-Kunden mit Girokonto getan. Bei Kunden, die keine Einwilligungserklärung unterschrieben haben, konnten am Donnerstag nur noch Adresse und Wohnort abgefragt werden.

Tipp

Wer als Kunde der Postbank nicht will, dass Girokontodaten eingesehen werden, sollte die Postbank schriftlich auffordern, die Weitergabe der Daten für Verkaufszwecke und Werbung sofort zu stoppen.

Über Markus Burgdorf 84 Artikel

Markus Burgdorf ist Journalist aus Leidenschaft – er betreibt zahlreiche Verbraucherblogs zu aktuellen Themen. Als Kommunikationsberater berät er Unternehmen und Organisationen national und international.

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