Tests als Unterhaltungsshow: Zu viel subjektive Kriterien machen angreifbar

Ernsthafter Test oder Unterhaltung beim ZDF?

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Das ZDF sendet regelmäßig Test-Dokumentationen. Dieses Mal sind die Möbelhäuser an der Reihe. Wir haben uns den Beitrag kritrisch angesehen. (Foto: Screenshot aus der ZDF-Mediathek)
Das ZDF sendet regelmäßig Test-Dokumentationen. Dieses Mal sind die Möbelhäuser an der Reihe. Wir haben uns den Beitrag kritrisch angesehen. (Foto: Screenshot aus der ZDF-Mediathek)

Gestern habe ich mir die Sendung von ZDF:zeit Ikea, Roller & Co. Wer ist der beste Möbel-Discounter? in der ZDF Mediathek angesehen. In der 43 Minuten langen Sendung werden IKEA, Roller und Höffner gegeneinander getestet. Es geht um Preise, Qualität, Umwelt und Kundenservice. Die Möbelhäuser werden in verschiedenen Kriterien miteinander verglichen. Für jeden Sieg in einem Einzeltest gibt es einen Punkt. Sieger ist, wer die meisten Punkte erreicht.

Jeder Test besteht aus verschiedenen Einzeltests, die sich grob in zwei Kategorien unterteilen lassen: Objektive Tests und subjektive Tests.Die einzelnen Ergebnisse aus den Testkategorien werden dann zusammengefasst, gewichtet und ergeben schließlkich ein Testergebnis.

Bei den objektiven Tests werden mit Messgeräten für jedes Produkt und objektives Testkriterium Messwerte ermittelt. Diese sind vergleichbar und bringen die getesteten Produkte in eine Reihenfolge. Dazu gehören auch Labormesswerte, zum Beispiel bei der Suche nach Schadstoffen.

Die subjektiven Tests sind da schon schwieriger, denn hier beurteilt der Tester das zu testende Produkt oder die Dienstleistung aufgrund seiner Erfahrung, seinem Erleben und seinem Gefühl. Hier hat der Tester eine große Verantwortung, möglichst nah an ein objektives Urteil zu kommen.

Bei den Tests, die in der Reihe ZDFzeit ausgestrahlt werden, habe ich immer etwas Bauchschmerzen. Die objektiven Tests sind in Ordnung. Wenn zum Beispiel in den Regalen von IKEA, Roller und Höffner nach dem giftigen Formaldehyd gesucht wird, kann man davon ausgehen, dass das im Labor ermittelte Ergebnis stimmt. Auch der Belastungstest für die Regale, den die DEKRA im Auftrag durchführte, gibt es keine Beanstandungen.

Schwieriger finde ich die subjektiven Tests, denn da werden meiner Meinung nach Fehler gemacht. Wenn zum Beispiel ermittelt werden soll, wie leicht oder schwer der Aufbau eines beim Möbel-Discounter gekauften Bettes ist, dann darf man nicht jedes Bett von einem unterschiedlichen Team bauen lassen. Hier ist nämlich das Geschick des Teams möglicherweise ausschlaggebend für die spätere Beurteilung. Das trifft in gleichem Maße auch für den Auf- und Abbau-Test zu, bei dem drei Teams aus Umzugsprofis jeweils die Möbel einer Kette dreimal auf- und abbauen sollen, um dann Aussagen zur Qualität machen zu können.

In beiden Fällen müsste zur Objektivierung ein Team alle drei Möbel von allen Testteilnehmern aufbauen und abbauen. Nur so können die Aussagen belastbar miteinander verglichen werden und eine faire Reihung der Testteilnehmer erzeugen.

Wenn man tatsächlich unterschiedliche Teams beauftragen möchte, dann müssten diese auch jeweils alle drei Testkandidaten testen. Dann wäre der Aufwand dreimal höher, aber das Testergebnis weniger angreifbar.

Dass man mit „Amateuren“ arbeitet, finde ich nicht schlecht, denn zumeist sind die Möbelkäufer, die aus dem Inhalt der transportablen Pakete ihr Möbelstück aufbauen, auch keine ausgebildeten Tischler. Aber: Für eine tatsächliche Vergleichbarkeit muss ein Team alle Möbel der drei Testkandidaten aufbauen.

Auch im Handtuch-Test wieder das gleiche Vorgehen: Verschiedene Männer einer Fußballmannschaft „testen“ verschiedene Handtücher und sagen dann, ob das Handtuch angenehm war. Pro Handtuch eines Herstellers nur zwei Tester. So geht testen eigentlich nicht. Das ist dann Unterhaltung pur und hat mit einem seriösen Produkttest nichts zu tun. Immerhin gibt es noch einen Labortest, der aber keine Unterscheidung hervorbringt.

Der Test von Duftkerzen aus dem Möbelmarkt amüsiert, da die befragten Personen bei der Duftrichtung daneben liegen. Dass die chemischen Duftstoffe allergen sein können, ist nichts Neues.  Die Expertin, Professorin Claudia Traidl-Hoffmann vom Klinikum Augsburg, warnt sogar vor der Nutzung von Duftkerzen. Und so bestätigt der Labortest auch nur das, was man bereits erwartet: Alle Duftkerzen enthalten Allergene, wie Limonen. Das Fazit der Tester: „Die Duftkerzen sind damit für uns durchgefallen“.

Im Testkriterium Service wurden drei Teams zu allen Test-Teilnehmern gesandt, um dort mit kleinem Budget einzukaufen. Eine Lampe und ein Teppich steht auf der Wunschliste. Zusammen dürfen beide Teile 100 Euro kosten. Dazu sollen sich die Pärchen dort beraten lassen. Problem: Wenn man so testet, ist das Ergebnis vom reinen Zufall abhängig. Welcher Verkäufer wird angetroffen, wieviele Kunden warten gerade auf eine Beratung? Diese Zufallsaussage trifft insbesondere auf den Bericht des einen Pärchens zu, die vom Höffner-Verkäufer einen Teppich für 10.000 Euro angeboten bekommen. Ein Ausreißer, der es aber in die Sendung schafft.  Es entstehen Einzelerlebnisse, die am nächsten Tag auch ganz anders ausfallen könnten. Hier wäre zu fragen, ob man den Einkaufstest in mehreren Filialen durchgeführt hat, denn ansonsten kann man das nicht als Test, sondern nur als Stichprobe bezeichnen.

Sehr aufwändig gemacht ist die grafische Darstellung, das macht einen sehr guten und kreativen Eindruck. Die Sendung ist in leicht verständliche Häppchen aufgeteilt. Gesprochene Sätze sind plakativ, also kurz und prägnant. Dabei fehlen aber die Zwischentöne, die man bei einem Test gerne hören würde. Aussagen von Möbelhäusern werden nicht kommentiert, der Zuschauer muss selbst seine Rückschlüsse ziehen.

„Wir haben die Transparenz der Unternehmen in Sachen Umweltschutz getestet, doch bei unseren Stichproben werden wir enttäuscht.“ Ein Zitat aus der Sendung, die das ganze Format beschreibt. Einerseits erhebt man den Anspruch zu „testen“, andererseits spricht man selbst von Stichproben. Nichts weiter ist dieser „Test“ aus meiner Sicht. Eine Aneinanderreihung von Stichproben, mit ein wenig objektiven Tests aufgewertet.

So entsteht ein unterhaltsames Format, massentauglich, aber in der Aussagekraft nur bedingt wertvoll.

Markus Burgdorf

 

 

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Markus Burgdorf ist Journalist aus Leidenschaft - er betreibt zahlreiche Verbraucherblogs zu aktuellen Themen. Als Kommunikationsberater berät er Unternehmen und Organisationen national und international.

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